Feuer

Kontrolliertes Brennen

Der Einsatz von Feuer zur Offenhaltung der Landschaft hat in fast allen Regionen Europas eine lange Tradition - über Jahrhunderte wurde die Flamme alternativ zu Axt oder Sense zur Offenhaltung von Brachen, Rainen und Säumen eingesetzt. In den 1970er Jahren wurde das Feuer jedoch bundesweit per Gesetz aus der Landschaft verbannt, um so dem damaligen Überhandnehmen des flächigen Feuereinsatzes Einhalt zu gebieten. So gilt es derzeit, einen Kompromiss zwischen den bestehenden gesetzlichen Einschränkungen und einer allzu freizügigen Handhabung des flächigen Feuereinsatzes zu finden - denn Feuer kann nicht nur ökonomisch sondern auch naturschutzfachlich eine erfolgversprechende Alternative zu anderen Pflegemaßnahmen sein!

Im Rahmen des Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben Oberes Mittelrheintal hat die GNOR den kontrollierten Einsatz von Feuer im Spätsommer und im Winter zur Offenhaltung der Landschaft erprobt. Das Feuer kann als alternative Pflegemaßnahme sowohl auf vergrasten als auch bereits stark verbuschten Brachflächen z.B. in den Steillagen des Mittelrheintals sowie im Bereich überalterter Calluna-Heiden zum sinnvoll zum Einsatz kommen.

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Der kontrollierte Einsatz des Feuers zur Landschaftspflege wird nur auf kleinen Flächen durchgeführt, denn nur so ist das Feuer beherrschbar und nur so kann sich die Tier- und Pflanzenwelt auf den Flächen wieder rasch erholen. Die Kontrollierbarkeit und Effizienz des flächigen Brennens konnte die GNOR im Rahmen des E+E-Vorhabens durch über 50 Feuereinsätze im Mittelrheintal bestätigen. 

Natürlich ist nicht jedes Feuer ein Erfolg. Vor allem bei stark verbuschten Flächen bleibt der Brennerfolg beim ersten Versuch nicht selten aus. Doch lohnen sich vor dem Hintergrund der Alternativen "manuelle Pflege" oder "weiteres Zuwachsen" auch wiederholte Brenneinsätze!

Die Vorstellung einer völlig "sauberen" Fläche als Resultat eines geglückten Feuereinsatzes muss jedoch teilweise korrigiert werden. Nur selten brennt die Vegetation auf einer Fläche restlos ab. In der Regel verbleiben Brandinseln von - je nach Vegetationsbeschaffenheit und Brennbedingungen - unterschiedlicher Größe. Ein Nachbrennen dieser Brandinseln ist jedoch nicht nur äußerst uneffektiv und damit unökonomisch, sondern auch aus naturschutzfachlicher Sicht wenig wünschenswert: So stellen diese Brandinseln wichtige Refugien für Lebewesen dar; von ihnen aus erfolgt nach dem Brennen auch eine Wiederbesiedlung der Flächen.

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Gewalt an Tier und Pflanze?

Instinktiv denkt der Mensch beim Einsatz von Feuer an die in Mitleidenschaft gezogene Tierwelt. Doch sowohl die Tier- als auch Pflanzenwelt offener Lebensräume braucht periodische "Katastrophen", um an einem Standort langfristig überdauern zu können. Ob durch Feuer, Mahd, Beweidung oder Überschwemmung - natürliche oder anthropogen bedingte "Störungen" gab es immer und ohne sie kann eine Vielzahl unserer Tier- und Pflanzenarten nicht überleben.

Natürlich hat der Einsatz von Feuer zur Landschaftspflege zunächst rußgeschwärzte Hangpartien zur Folge. Doch sind diese Flächen im Kontext einer Gesamt-Gebietskulisse generell sehr klein. Zudem begrünen sich die gebrannten Flächen ausgesprochen rasch wieder - schon im folgenden Frühjahr sind im Winter gebrannte Flächen wieder grün! Negative Auswirkungen auf das Landschaftsbild sind folglich nicht zur befürchten.

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