Entwurmung von Weidetieren in Schutzgebieten

Seit letztem Jahr haben wir Esel als Biotoppfleger in stark verbuschten ehemaligen Weinhängen eingesetzt. Das Gebiet hat eine einzigartige Insektenwelt, die wir mit der tierischen Entbuschungen fördern möchten. Jetzt sind wir in einem Zwiespalt, da uns der Tierarzt regelmäßige Entwurmung der Tiere empfiehlt und wir aus Artenschutzgründen so wenig wie möglich an Medikamente in das Gebiet bringen möchten. Wie handhabt ihr das mit euren Tieren? Gibt es Entwurmungsmittel die zu empfehlen sind?

Entschuldigung für die späte Antwort - wir hatten ein Problem mit der IPOLA-Seite. Dieses ist jetzt wieder behoben. 

In unseren Projekten werden die Tiere aus Natur- und Artenschutzgründen nicht prophylaktisch entwurmt. Die Wirkstoffe der Entwurmungsmittel sind sehr organismenschädlich, das ist ja auch ihre Aufgabe. Reste der Wirkstoffe und deren Abbauprodukte werden aber auch über den Kot der behandelten Tiere ausgeschieden und wirken somit auch toxisch auf andere Bodenlebewesen; sie gehen so auch in die Nahrungskette über. Auch für die Weidetiere selbst ist eine Entwurmung nicht ganz ungefährlich und kann u.U. auch tödlich enden. Außerdem fördern prophylaktische Entwurmungen Resintenzen bei den zu behandelnden Parasiten. Wir möchten mit der naturschutzfachlichen Beweidung ja gerade die dungbewohnenden Arten fördern, die wiederrum Nahrungsgrundlage zahlreicher andere Arten sind. Darum verbietet sich m. E. eine prophylaktische Entwurmung generell. I. d. R. finden Weidetiere auf vielfältig strukturierten und artenreichen Weideflächen durchaus Pflanzenarten mit denen sich die Tiere sich bei hoher Wurmfracht bis zu einem gewissen Grad auch selbstmedikamentieren können, Beispiele sind hier der Beifuß, Wurmfarn oder der Rainfarn. Grundsätzlich sollte über weidehygienische Maßnahmen (Abäppeln der Fläche o.ä.) der Wurmdruck möglichst gering gehalten werden. Sollten einzelne Weidetiere kränklich aussehen, so sollten zuvor Kotproben genommen und analysiert werden um der tatsächlichen Ursache auf den Grund zu gehen. Wenn die Wurmfracht dann zu hoch sein sollte kann der Tierarzt ganz gezielt entsprechende Wirkstoffe verabreichen. Dazu sollten die Tiere dann auch für einige Tage separiert und der in dieser Zeit abgebebene Kot gezielt entsorgt werden. Auf Depot-Entwurmungsmittel, mit einem sog. Bolus, sollte gänzlich verzichtet werden.

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