Invasive neobiotische Arten und deren Behandlung – Analyse und Arbeitsaufruf

Halsbandsittich - ein Neozoon (Foto: Michael Schmolz)

Neobiota sind absichtlich oder unabsichtlich freigesetzte Arten, die aus anderen geographischen Herkünften stammen (z.B. Afrika, Asien, Amerika). Diese Arten sind unterschiedlich gut an die Lebensraum- und Klimasituation bei uns angepasst. Manche fassen hier Fuß, bleiben unauffällig oder können spürbare Schäden erzeugen (Tigermücke – Gesundheit, Kirschessigfliege – Landwirtschaft, Ochsenfrosch – Biozoenose).  In der BfN-Publikation aus 2016 hat Herr Dr. Nehring die invasiven gebietsfremden Arten der ersten Unionsliste zur EU-Verordnung 1143/2014 aufgelistet (s. BfN-Internetseite). Dabei handelt es sich um 14 Pflanzenarten, 7 Wirbellose und 16 Wirbeltiere, zusammen also 37 Spezies, wobei die tatsächliche Zahl der invasiven Neobiota nach Fachstudien insgesamt 93 Arten umfasst. Mit einer Verlängerung der offiziellen Liste ist deshalb mittelfristig zu rechnen.

Welche Aussagen macht die EU-Verordnung zum Umgang mit den Arten?

Für etablierte Arten sind nach Artikel 19 der VO Managementmaßnahmen vorzusehen, die die weitere Ausbreitung und Vermehrung der Spezies eindämmen. In der Regel ist eine Eliminierung nicht mehr möglich (z.B. Riesenbärenklau, Waschbär, Marderhund). Dazu bedarf es einer Einschätzung der Vorkommenssituation und der Festlegung von Maßnahmen (z.B. Biotoppflege oder Bejagung).

Nicht etablierte Arten müssen beim Auftreten nach den Artikeln 16-18 an die EU gemeldet und Bekämpfungsmaßnahmen durchgeführt werden, außer deren Vorkommen beschränken sich auf gärtnerisch gestaltete und überwachte Flächen.

Maßnahmen sind deshalb nur sinnvoll, wenn das Auftreten der Arten untersucht und überwacht wird. Hinzu kommen Bewertungen der Situation und die Dokumentation der Maßnahmenwirkung. Für Naturschützer und Wissenschaftler gilt deshalb die Devise, noch umfänglicher als bisher auf die Vorkommen bei den Kartierungen oder Beobachtungsgängen zu achten und diese zu dokumentieren. Positives Beispiel: Das Grundlagenwerk „Die Vogelwelt von RLP“, das die GNOR zurzeit in vier Bänden herausgibt, bietet dank der umfassenden Auswertungen von Beobachtungen, Kartierungen und im Rahmen von Monitoring-Projekten gewonnener Daten bereits einen hervorragenden Überblick über das Auftreten von Ausnahmeerscheinungen wie Schwarzkopf-Ruderente oder Heiligem Ibis. Arten der „zweiten Reihe“ (z.B. Nilgans, Halsbandsittich oder Großer Alexandersittich) stehen ebenso als „Kandidaten“ für ein landesweites Monitoring im Fokus.

Die ehemaligen Vorkommen des Nordamerikanischen Ochsenfrosches in der Südpfalz, von der GNOR seinerzeit gemeldet, erfordern eine Kontrolle ab 2017. Hier bieten sich auch Kooperationen der Naturschutzverbände mit dem Landesjagdverband an zur Unterstützung bei der Bejagung von Waschbär und Marderhund. Beim Auftreten des Mink (Nordamerikanischer Nerz), aus Pelztierfarmen stammend, sind intensivste Maßnahmen inklusive Einsatz von Lebendfallen in den wasservogelreichen Feuchtgebieten wie z.B. dem Eich-Gimbsheimer und dem Bobenheimer und Roxheimer Altrhein notwendig. Erfahrungen aus östlichen Bundesländern belegen die katastrophale Wirkung der Art auf die Brutbestände der einheimischen Wasservögel, die keine Vermeidungsstrategien entwickeln konnten. Der an Feuchtflächen gebundene Mink raubt dort systematisch Gelege aus, die er gezielt schwimmend z.B. auf Inseln sucht und meist auch den brütenden Altvogel überwältigt.

Anderenorts führen neue Schädlinge, wie die aus Asien mit Fruchtimporten vom Menschen eingeschleppte Kirschessigfliege vielerorts zu illegalen Eingriffen mit Rodungen und Pestzideinsatz in den letzten wertvollen, strukturreichen von Obstbäumen und Weinbergen dominierten Lebensräumen. Begleitet wird der Aktionismus von unsinnigen Forderungen (Rodung alter Obstbäume und Brachen, Einnetzung der Weinberge) seitens landwirtschaftlicher Organisationen. Hier sind Forschung,  Aufklärung und Beratung gefordert, bevor es den letzten wertvollen Lebensräumen an den Kragen geht!

Wie erfolgreich die Lösung der Neozoenproblematik sein kann, hat das Biberzentrum der GNOR im NEZ Wappenschmiede, das vom Land RLP gefördert wird, bereits unter Beweis gestellt. Steffi Venske und Mitarbeiter haben die Kanadischen Biber im nördlichen Landesteil nach Beschwerde der Anrainerstaaten im Auftrag der SGD Nord gefangen, untersucht, gechipt und kastriert. Die Vermehrung kommt deshalb zum Erliegen und überall wandert der geschützte Europäische Biber ein. Derzeit wird mit Unterstützung des Landes an der Intensivierung der Beratungsstrukturen gearbeitet, um auftretende Fragen und Probleme schnell und kompetent lösen zu können.“

Für weitere Informationen nutzen Sie bitte die folgenden links:

https://www.bfn.de/fileadmin/BfN/service/Dokumente/skripten/Skript_438.pdf

http://www.jagdundjaeger.de/fileadmin/Archiv-PDFs/2017/J_J_01.17_Archiv.pdf

 

Michael Schmolz

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